Unternehmensphilanthropie kann von außen überraschend einfach wirken. Ein internationaler Konzern gründet eine Stiftung, formuliert ein gesellschaftliches Ziel und finanziert externe Organisationen. Für Antragsteller können sich die tatsächlichen Fördermechanismen jedoch grundlegend unterscheiden.
Der L’Oréal Fund for Women funktioniert weitgehend wie ein klassischer internationaler Förderfonds für gemeinnützige Organisationen, die unmittelbar mit Frauen und Mädchen in schwierigen Lebenslagen arbeiten. AXA verfolgt einen völlig anderen Ansatz. Die größten Forschungsprogramme sind um Hochschulen, Forschungseinrichtungen und namentlich benannte Wissenschaftler aufgebaut. Einzelne Forschende können daher nicht einfach unabhängig einen Antrag einreichen. Die Allianz Foundation wiederum verbindet direkte Förderungen mit gezielt ausgewählten Partnerschaften, Interessenbekundungen und spezialisierten gemeinschaftlichen Finanzierungsmodellen.
Diese Unterschiede sind deutlich wichtiger als die öffentlich genannte maximale Fördersumme. Eine gemeinnützige Organisation kann sehen, dass L’Oréal bis zu 250.000 Euro bereitstellt, und anschließend feststellen, dass der Fonds höchstens 30 Prozent des gesamten Projektbudgets übernehmen darf. Ein Wissenschaftler kann sich für eine AXA Chair mit einer Förderung von bis zu 1,5 Millionen Euro interessieren, muss aber möglicherweise zunächst zum einzigen Kandidaten werden, den seine Universität nominiert. Eine NGO kann einen älteren Allianz-Förderaufruf mit Beträgen zwischen 80.000 und 200.000 Euro finden und fälschlicherweise annehmen, dass derselbe offene Wettbewerb auch unter der neuen Strategie der Stiftung weitergeführt wird.
Für Antragsteller, die über einen einzelnen Förderzyklus hinaus planen, gibt es dennoch eine positive Erkenntnis. Keines dieser drei Fördersysteme wirkt wie eine einmalige gesellschaftliche Kampagne eines Unternehmens. L’Oréal hat den Fund for Women bis 2030 verlängert. AXA finanziert seit 2008 Forschung und ordnet seine wissenschaftlichen Programme derzeit neu, anstatt sich aus diesem Bereich zurückzuziehen. Die Allianz Foundation verfügt über ein erhebliches Stiftungskapital und eine mehrjährige Finanzierungszusage von Allianz SE, auch wenn sich der Zugang zu ihrer Förderung verändert.
Alle drei Modelle sind deshalb eine genauere Betrachtung wert.
Drei Fördergeber, drei völlig unterschiedliche Antragsmodelle
Die drei Organisationen lassen sich am besten nicht nach Themenbereichen vergleichen, sondern danach, wie die Fördermittel tatsächlich zu den Begünstigten gelangen.
L’Oréal finanziert vor allem gemeinnützige Organisationen. AXA fördert Forschung überwiegend über Hochschulen und öffentliche Forschungseinrichtungen. Die Allianz Foundation unterstützt gemeinnützige, zivilgesellschaftliche, kulturelle und mediale Akteure, setzt aber zunehmend auf gezielt entwickelte Partnerschaften statt ausschließlich auf einen großen jährlichen offenen Förderaufruf.
Tabelle 1. Die Fördermodelle von L’Oréal, AXA und Allianz im Überblick
| Fördermechanismus | Hauptantragsteller | Veröffentlichte Förderhöhe | Übliche Laufzeit | Schwerpunkt | Langfristige Perspektive |
|---|---|---|---|---|---|
| L’Oréal Fund for Women | Gemeinnützige oder nicht gewinnorientierte Organisation | Zuletzt veröffentlichte Kriterien: 50.000 bis 250.000 Euro | Bis zu 3 Jahre | Frauen und Mädchen in schwierigen Lebenslagen | Sehr stark, mit einer neuen Zusage von 50 Millionen Euro für 2026-2030 |
| AXA Chairs | Universität oder öffentliche Forschungseinrichtung | Bis zu 1,5 Millionen Euro | 5 Jahre | Große gesellschaftliche Risiken und fachübergreifende Forschung | Sehr stark |
| AXA Postdoctoral Fellowships | Aufnehmende Forschungseinrichtung | Letztes vollständig dokumentiertes Modell: bis zu 140.000 Euro | 2 Jahre | Wissenschaftliche Laufbahn in früher Phase | Übergangsmodell, unveränderte Wiederholung nicht garantiert |
| AXA New Gen | Detaillierte Regeln stehen noch aus | Stand September 2026 noch nicht veröffentlicht | Noch nicht bekannt | Junge Forschende | Neues strategisches Programm |
| Allianz Foundation | Je nach Instrument gemeinnützige, zivilgesellschaftliche und kulturelle Partner | Derzeit keine einheitliche allgemeine Förderhöhe veröffentlicht | Abhängig von der Partnerschaft | Nachhaltige Städte, vertrauenswürdige Information, gesellschaftlich engagierte Kunst | Institutionell stark, Antragsmodell jedoch im Wandel |
| Allianz Foundation Grants Program 2025 | Förderfähige Organisationen in Europa und im Mittelmeerraum | 80.000 bis 200.000 Euro | Bis zu 24 Monate | Umwelt, Zivilgesellschaft, Kunst und Kultur | Historischer Vergleichswert, kein garantiertes Zukunftsmodell |
Die Unterschiede werden noch wichtiger, sobald Förderfähigkeit, Budgetstruktur und interne Auswahlverfahren betrachtet werden.

L’Oréal Fund for Women: langfristige Philanthropie statt kurzfristiger Kampagne
Unter den drei Fördergebern bietet der L’Oréal Fund for Women derzeit die klarste langfristige Perspektive für gemeinnützige Organisationen.
Der Fonds wurde 2020 gegründet, als sich die sozialen und wirtschaftlichen Belastungen für besonders verletzliche Frauen während der COVID-19-Krise erheblich verschärften. L’Oréal stellte zunächst 50 Millionen Euro bereit. Später wurde dieses Engagement um weitere 30 Millionen Euro erhöht. Im März 2026 kündigte das Unternehmen schließlich eine neue Finanzierung von 50 Millionen Euro für den Zeitraum 2026 bis 2030 an.
Diese neue Zusage ist für Organisationen besonders wichtig, die überlegen, ob es sich lohnt, Zeit in die Vorbereitung auf das Programm zu investieren. Der Fonds hat nicht nur seine ursprüngliche Krisenphase überstanden. L’Oréal hat ihn zu einem längerfristigen philanthropischen Instrument mit einem klaren Zeithorizont bis 2030 weiterentwickelt.
Bis zum Ende des zuletzt veröffentlichten Berichtszeitraums wurden mehr als 72,4 Millionen Euro an über 560 Organisationen in mehr als 110 Ländern vergeben. L’Oréal berichtet, dass diese Partnerschaften zur direkten Unterstützung von mehr als 6,6 Millionen Frauen und Mädchen beigetragen haben.
Die neue Phase 2026-2030 konzentriert sich auf vier zentrale Prioritäten: wirtschaftliche Selbstständigkeit, Zugang zu Bildung, Bekämpfung von Gewalt sowie Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit. Diese Bereiche sind breit genug, um Beschäftigungs- und Unternehmensprogramme, Bildungsangebote, Hilfen für Betroffene geschlechtsspezifischer Gewalt, Gesundheitsmaßnahmen und Projekte gegen schwere soziale Ausgrenzung einzuschließen.
Der Fonds ist international ausgerichtet. Internationale Förderfähigkeit bedeutet jedoch nicht, dass alle Regionen strategisch gleich behandelt werden. Nach den zuletzt veröffentlichten Kriterien erhalten Organisationen mit Sitz in der Europäischen Union Vorrang. Ebenfalls bevorzugt werden Organisationen, die in Frankreich oder einem anderen EU-Land steuerlich anerkannte Spendenbescheinigungen ausstellen können.
Wer kann tatsächlich eine Förderung von L’Oréal erhalten?
Der Fonds richtet sich an etablierte gemeinnützige oder nicht gewinnorientierte Organisationen von allgemeinem gesellschaftlichem Interesse. Antragsteller benötigen offizielle Satzungen, eine anerkannte Rechtsform und die rechtliche Befugnis, private philanthropische Mittel zu empfangen. Einnahmen dürfen weder direkt noch indirekt an Mitglieder ausgeschüttet werden.
In der Regel muss die Organisation seit mehr als zwei Jahren offiziell bestehen. Eine Ausnahme ist für jüngere Organisationen vorgesehen, die einen besonders innovativen und gut belegten Ansatz für einen bislang unzureichend gedeckten Bedarf verfolgen. Diese Ausnahme sollte jedoch nicht als einfacher Zugang für neu gegründete NGOs verstanden werden. Eine junge Organisation muss überzeugend darlegen, warum ihr Modell so innovativ und glaubwürdig ist, dass eine Abweichung von der normalen Mindestdauer gerechtfertigt ist.
Eine wesentlich weniger offensichtliche Regel betrifft die Größe der Tätigkeit. Ein Antragsteller sollte durch seine gesamten Aktivitäten mindestens 200 direkte Begünstigte pro Jahr erreichen.
Dieser Schwellenwert kann sehr kleine Organisationen ausschließen, selbst wenn ihre Programme hoch spezialisiert und wirksam sind. Eine lokale Organisation, die intensiv mit 60 Überlebenden von Gewalt arbeitet, kann hervorragende Ergebnisse vorweisen und dennoch unter dem von L’Oréal erwarteten Umfang liegen.
Zur Zielgruppe müssen Frauen oder Mädchen gehören, die erheblichen Belastungen ausgesetzt sind. Dazu können Armut, unzureichendes Einkommen, Wohnungslosigkeit, Alleinerziehung, geografische Isolation, Gewalt, Behinderung oder Fluchterfahrung zählen.
Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht zwischen institutioneller Förderung und Projektförderung. Eine Organisation, die unmittelbar und ausschließlich mit besonders gefährdeten Frauen und Mädchen arbeitet, kann entweder Unterstützung für ihre Organisationsstruktur oder die Finanzierung eines bestimmten Programms beantragen. Eine Organisation, die eine breitere Zielgruppe betreut, zum Beispiel Frauen, Männer und Kinder mit Fluchterfahrung, kann weiterhin förderfähig sein, jedoch nur für ein Projekt, das gezielt Frauen und Mädchen unterstützt.
Dieser Unterschied kann erheblichen Einfluss auf die Gestaltung eines Antrags haben.
Die Obergrenze von 250.000 Euro ist nicht die tatsächliche finanzielle Grenze
Die zuletzt veröffentlichten Kriterien sehen Förderbeträge zwischen 50.000 und 250.000 Euro vor. Die Unterstützung kann jährlich oder mehrjährig für bis zu drei Jahre gewährt werden.
Auf den ersten Blick scheint das Programm damit Organisationen sehr unterschiedlicher Größe offen zu stehen. Die 30-Prozent-Regel verändert dieses Bild jedoch deutlich.
Bei einer Projektförderung darf der Beitrag von L’Oréal höchstens 30 Prozent des gesamten Projektbudgets ausmachen. Bei institutioneller Förderung darf er höchstens 30 Prozent des Gesamtbudgets der Organisation betragen.
Eine NGO, die für ein Projekt den Höchstbetrag von 250.000 Euro beantragt, benötigt daher ein Gesamtprojektbudget von mindestens rund 833.333 Euro. Ein Antrag über 100.000 Euro setzt ein Projektbudget von mindestens etwa 333.333 Euro voraus. Selbst der veröffentlichte Mindestbetrag von 50.000 Euro erfordert ein Gesamtbudget von ungefähr 166.667 Euro, wenn L’Oréal den maximal zulässigen Anteil übernimmt.
Tabelle 2. Wie die 30-Prozent-Regel von L’Oréal die tatsächliche Förderhöhe verändert
| Bei L’Oréal beantragter Betrag | Erforderliches Mindestgesamtbudget bei einem Anteil von 30 Prozent |
|---|---|
| 50.000 Euro | Rund 166.667 Euro |
| 75.000 Euro | 250.000 Euro |
| 100.000 Euro | Rund 333.333 Euro |
| 150.000 Euro | 500.000 Euro |
| 200.000 Euro | Rund 666.667 Euro |
| 250.000 Euro | Rund 833.333 Euro |
Dabei handelt es sich nicht um eine klassische Kofinanzierungsregel, nach der die Organisation die verbleibenden 70 Prozent zwingend aus eigenen freien Mitteln aufbringen muss. Der Rest des Budgets kann aus anderen Förderquellen stammen. L’Oréal erwartet jedoch, dass der Antragsteller bereits zugesagte, beantragte oder geplante weitere Finanzierungen offenlegt.
In der Praxis eignet sich das Programm deshalb eher für Organisationen mit mehreren Finanzierungsquellen als für eine NGO, die erwartet, dass L’Oréal fast das gesamte Projekt finanziert.
Manche offensichtlich frauenbezogenen Projekte sind trotzdem nicht förderfähig
Eine starke inhaltliche Übereinstimmung mit der Mission des Fonds bedeutet nicht automatisch, dass alle Ausgaben zulässig sind.
Nach den zuletzt veröffentlichten Kriterien sind politische Interessenvertretung, Bauarbeiten, Renovierungen und Ausstattungsarbeiten sowie die Finanzierung von Sachlieferungen ausgeschlossen. Diese Einschränkungen sind besonders wichtig für humanitäre Organisationen, Frauenhäuser und Organisationen, die sich für Rechte einsetzen.
Nehmen wir eine gemeinnützige Organisation, die Betroffene häuslicher Gewalt unterstützt. Ein Programm mit psychologischer Beratung, Rechtsbeistand, beruflicher Qualifizierung und Unterstützung beim Einstieg in Beschäftigung kann sehr gut zu den Zielen des Fonds passen. Ein Antrag, der überwiegend aus der Renovierung eines Schutzhauses, dem Kauf von Möbeln und der Verteilung von Hygieneartikeln besteht, könnte dagegen nicht den Förderregeln entsprechen.
Ebenso kann eine Organisation, die sich für Gesetzesreformen zugunsten von Frauenrechten einsetzt, inhaltlich eng mit dem Thema Selbstbestimmung von Frauen verbunden sein und dennoch schlecht zum Programm passen, wenn politische Interessenvertretung den Hauptbestandteil des beantragten Vorhabens bildet.
Der Fonds schließt außerdem Organisationen oder Aktivitäten aus, die mit diskriminierenden Praktiken, Zwangsarbeit, Kinderarbeit, schweren Menschenrechtsverletzungen, schädlichen Umweltauswirkungen oder bestimmten politischen, militärischen oder religiösen Zielsetzungen verbunden sind.
Ein überzeugender Antrag an L’Oréal benötigt daher mehr als ein relevantes gesellschaftliches Problem. Er muss ein Unterstützungsmodell vorweisen, das genau zur Förderlogik des Fonds passt.
Was reale L’Oréal-Förderempfänger zeigen
Das Portfolio ist sowohl geografisch als auch thematisch breit aufgestellt.
Zu den in L’Oréal-Berichten genannten Organisationen gehören die Panzi Foundation in der Demokratischen Republik Kongo, die für umfassende Hilfe für Überlebende sexueller Gewalt bekannt ist, die Maison des femmes de Saint-Denis in Frankreich, die Fundación Ana Bella in Spanien, Rêv’Elles in Frankreich, Flying Kites in Kenia sowie Initiativen zur Unterstützung von Frauen und Mädchen in Afghanistan und anderen fragilen Kontexten.
Die Georges Malaika Foundation ist ein weiteres Beispiel für den Schwerpunkt Bildung. Ihre Arbeit umfasst unter anderem kostenlosen Bildungszugang für Mädchen in der Demokratischen Republik Kongo.
Finanzberichte der Förderempfänger können noch praktischere Informationen liefern als allgemeine Unternehmensberichte. Women on Wings wies im Geschäftsjahr 2024-2025 wiederkehrende Einnahmen in Höhe von 100.000 Euro aus dem L’Oréal Fund for Women aus und erklärte, dass die Partnerschaft um zwei weitere Jahre verlängert worden sei.
Das ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens können tatsächliche Förderbeträge deutlich unter der Obergrenze von 250.000 Euro liegen. Zweitens kann L’Oréal mehrjährige Beziehungen mit Organisationen eingehen, anstatt jede Förderung als einmalige Maßnahme für ein einzelnes Jahr zu behandeln.
Der Fonds bietet außerdem nicht nur finanzielle Unterstützung. In den jüngsten Berichten wird beschrieben, dass Hunderte Organisationen und Fachkräfte des Sozialbereichs durch Fachveranstaltungen im Internet, individuelle Beratung und Formate zum gegenseitigen Lernen unterstützt wurden.
Was passiert nach 2026?
L’Oréal hat die Finanzierung für 2026-2030 bereits zugesagt, aber im Jahr 2026 gibt es keinen Bewerbungsaufruf des Fund for Women. Das Unternehmen hat angekündigt, den Zeitplan für 2027 gesondert zu veröffentlichen.
Diese Unterscheidung ist wichtig. Der Fonds selbst wird eindeutig fortgeführt, aber Organisationen sollten nicht davon ausgehen, dass sämtliche Einzelheiten des vorherigen Förderzyklus unverändert bleiben.
Die Spanne von 50.000 bis 250.000 Euro, die 30-Prozent-Grenze, der Schwellenwert für Begünstigte und die weiteren Regeln entsprechen den zuletzt veröffentlichten Bedingungen. Sie sind für die Vorbereitung sehr nützlich, müssen aber beim nächsten offiziellen Aufruf erneut überprüft werden.
Organisationen, die sich künftig bewerben möchten, können die Wartezeit sinnvoll nutzen. Sie können prüfen, ob ihre jährliche Zahl direkter Begünstigter hoch genug ist, ein realistisches Projekt unter Anwendung der 30-Prozent-Regel durchrechnen, weitere Fördergeber identifizieren und Ausgaben entfernen, die voraussichtlich ausgeschlossen werden.
AXA Research Fund: Der Wissenschaftler steht im Mittelpunkt, aber die Institution stellt den Antrag
AXA folgt einer vollkommen anderen Förderlogik.
Der AXA Research Fund wurde 2008 eingerichtet, um wissenschaftliche Forschung zu großen gesellschaftlichen Risiken zu unterstützen. Seitdem wurden nach Angaben von AXA mehr als 800 Projekte in 39 Ländern mit insgesamt rund 300 Millionen Euro gefördert.
Die Wissenschaft ist inzwischen Teil der umfassenderen AXA Foundation for Human Progress, die philanthropische Aktivitäten in den Bereichen Wissenschaft, Natur, Solidarität und Kultur bündelt. AXA zieht sich also nicht aus der Forschungsförderung zurück. Vielmehr wird neu geordnet, wie verschiedene Karrierestufen in der Wissenschaft unterstützt werden.
Das derzeit klarste langfristige Forschungsinstrument ist die AXA Chair. Zusätzlich hat AXA das neue Programm New Gen für jüngere Forschende angekündigt. Die bekannten AXA Postdoctoral Fellowships bleiben historisch bedeutend und führten 2026 zu einer neuen Gruppe Geförderter. Antragsteller sollten jedoch nicht mehr davon ausgehen, dass jedes Jahr automatisch ein identischer Aufruf erscheint.
Tabelle 3. AXA-Forschungsförderung nach Karrierestufe
| Programm | Zielgruppe | Förderung | Dauer | Formeller Antragsteller | Aktuelle Bedeutung |
|---|---|---:|---|---|
| AXA Chair | Erfahrene Forschende | Bis zu 1,5 Millionen Euro | 5 Jahre | Universität oder öffentliche Forschungseinrichtung | Aktuelles Leitprogramm |
| AXA Postdoctoral Fellowship | Forschende in früher Karrierephase | Zuletzt dokumentierter Zyklus: bis zu 140.000 Euro | 2 Jahre | Aufnehmende Institution | Bedeutendes jüngstes Modell, unveränderte Fortsetzung jedoch unsicher |
| AXA New Gen | Junge Forschende | Noch bekanntzugeben | Noch bekanntzugeben | Detaillierte Regeln stehen noch aus | Neues strategisches Programm |
Warum eine AXA Chair keine persönliche Förderung ist
Eine AXA Chair kann bis zu 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre bereitstellen. Der Wissenschaftler kann den Antrag jedoch nicht allein einreichen.
Der formelle Antragsteller ist die aufnehmende Hochschule oder öffentliche Forschungseinrichtung. Sie muss bei AXA registriert sein und den Antrag über ihren autorisierten Ansprechpartner einreichen.
Damit entsteht bereits vor dem externen Wettbewerb ein internes Auswahlverfahren. Nach den derzeitigen Regeln kann eine Institution pro Förderkampagne nur einen Kandidaten als federführende Einrichtung einreichen.
Für Forschende an großen Universitäten ist das eine erhebliche praktische Hürde. Ein wissenschaftlich hervorragender Kandidat muss möglicherweise zunächst gegen Kollegen aus völlig anderen Fachbereichen antreten, um überhaupt die einzige institutionelle Nominierung zu erhalten.
AXA Chairs richten sich an erfahrene wissenschaftliche Führungspersönlichkeiten. Der vorgeschlagene Inhaber der Chair sollte seinen Doktorgrad normalerweise seit mindestens zehn Jahren besitzen und ein starkes internationales wissenschaftliches Profil, Erfahrung mit fachübergreifender Forschung und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit mit außeruniversitären Akteuren nachweisen.
Der Forscher muss während der gesamten fünfjährigen Laufzeit eine akademische Vollzeitstelle an der aufnehmenden Institution innehaben oder erhalten. Wird der Kandidat von einer anderen Einrichtung angeworben, muss die Universität bereit sein, die erforderliche Stelle einzurichten, falls das Projekt ausgewählt wird.
Die Anwerbung einer externen Person kann stärker sein als eine interne Beförderung
Eine der weniger offensichtlichen AXA-Regeln betrifft die Mobilität.
Wenn zwei Vorschläge wissenschaftlich und hinsichtlich ihres Veränderungspotenzials ansonsten gleichwertig sind, kann AXA Einrichtungen bevorzugen, die den Inhaber der Chair von einer anderen Institution anwerben.
Das Programm soll nicht lediglich eine interne Beförderung finanzieren.
Ein bereits beschäftigter Professor ist nicht automatisch ausgeschlossen. Eine Universität mit einem internen Kandidaten muss jedoch besonders überzeugend erklären, warum die Chair tatsächlich etwas Neues schafft, anstatt nur bestehende Forschung zu finanzieren.
AXA Chairs sind damit zugleich Forschungsförderung und Instrument zur strategischen Entwicklung einer Hochschule.
AXA verlangt echte fachübergreifende Zusammenarbeit
Viele Förderprogramme verwenden den Begriff „interdisziplinär“ sehr großzügig. AXA Chairs formulieren die Anforderung konkreter.
Das aktuelle Modell erwartet eine tatsächliche Verbindung zwischen mindestens zwei wissenschaftlichen Fachgruppen. Mindestens ein Teil sollte aus den Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften oder Wirtschaftswissenschaften stammen, während ein anderer aus Naturwissenschaften, Ingenieurwesen oder Technologie kommen soll.
Ein Projekt zu Klimarisiken könnte beispielsweise Klimaforschung und Ingenieurwesen mit Wirtschaftswissenschaften, Verwaltungsforschung oder Verhaltenswissenschaften verbinden. Eine Chair im Bereich öffentliche Gesundheit könnte Epidemiologie mit Sozialpolitik, Gesundheitsökonomie oder Datenwissenschaft kombinieren.
Es reicht nicht, Forschende aus verschiedenen Fachbereichen lediglich in einer Partnerliste aufzuführen. AXA erwartet, dass die Disziplinen die Forschungsfragen, Methoden und Auswertung tatsächlich gemeinsam prägen.
Der außeruniversitäre Partner ist keine bloße Formalität
Mindestens ein außeruniversitärer Partner muss substanziell an der Chair beteiligt sein.
Mögliche Partner sind NGOs, Kommunen, Behörden, öffentliche Krankenhäuser, Berufsverbände und gemeinnützige Einrichtungen. Ihre Rolle soll gemeinsame Konzeption und Durchführung umfassen und darf sich nicht auf ein symbolisches Unterstützungsschreiben beschränken.
Eine Universität sollte daher nicht das gesamte Projekt allein entwickeln und erst am Ende eine NGO hinzufügen, um eine formale Anforderung zu erfüllen. Ein stärkerer Antrag kann zeigen, dass außeruniversitäre Partner zur Definition des Problems, zur Formulierung von Forschungsfragen, zur Bereitstellung praktischen Wissens, zur Umsetzung und zur späteren Nutzung der Ergebnisse beitragen.
Eine weitere ungewöhnliche Einschränkung betrifft private gewinnorientierte Unternehmen. Sie können im derzeitigen AXA-Chair-Modell keine formellen Projektpartner sein.
Ein Unternehmen kann für das Umfeld eines Projekts weiterhin wichtig sein, darf jedoch nicht dieselbe formelle Rolle einnehmen wie eine Kommune, NGO oder öffentliche Einrichtung.
AXA erwartet, dass ein erheblicher Teil des Budgets die Forschung mit der Gesellschaft verbindet
Die Obergrenze von 1,5 Millionen Euro kann ein breites Spektrum direkt forschungsbezogener Ausgaben abdecken.
Förderfähige Kosten können Ausgaben für den Inhaber der Chair, Postdoktoranden, Doktoranden, wissenschaftliche Mitarbeiter, wissenschaftliche Ausstattung, Datenbanken, Erhebungen, Verbrauchsmaterialien, Koordination, Veranstaltungen, Reisen, Moderation, Übersetzungen, Kommunikation und weitere unmittelbar mit dem Forschungsprogramm verbundene Aktivitäten umfassen.
Wenn rechtliche und institutionelle Bestimmungen dies zulassen, können außeruniversitäre Partner außerdem eine begründete Vergütung oder projektbezogene finanzielle Unterstützung erhalten.
Besonders aufschlussreich ist die Empfehlung zur Einbindung gesellschaftlicher Akteure. AXA empfiehlt, ungefähr 25 bis 30 Prozent des Gesamtbudgets der Chair für Beteiligung, Moderation, Vergütung von Partnern und Kommunikation vorzusehen.
Dabei handelt es sich nicht um einen unveränderlichen Pflichtanteil. Ein Projekt, das jedoch fast alle Mittel für Personal und Ausstattung einsetzt und kaum Mittel für gemeinsame Arbeit außerhalb der Wissenschaft vorsieht, könnte schlecht zur Förderphilosophie passen.
Tabelle 4. Zentrale finanzielle und administrative Regeln für AXA Chairs
| Regel | Ansatz der AXA Chair | Praktische Folge |
|---|---|---|
| Maximale Förderung | Bis zu 1,5 Millionen Euro | Das Budget muss begründet werden, statt automatisch den Höchstbetrag zu beantragen |
| Laufzeit | 5 Jahre | Langfristiges institutionelles Engagement ist erforderlich |
| Institutionelle Anträge | Ein federführender Kandidat pro Einrichtung und Kampagne | Die interne Nominierung kann sehr wettbewerbsintensiv sein |
| Profil des Chair-Inhabers | Promotion normalerweise mindestens 10 Jahre zurückliegend | Das Programm richtet sich an erfahrene wissenschaftliche Führungskräfte |
| Beschäftigung | Akademische Vollzeitstelle an der aufnehmenden Institution | Zusagen zur Einrichtung einer Stelle können notwendig sein |
| Fachrichtungen | Tatsächliche Verbindung verschiedener Fachgruppen | Oberflächliche Interdisziplinarität reicht nicht aus |
| Außeruniversitäre Beteiligung | Mindestens ein Partner mit echter Mitgestaltung und Umsetzung | Beteiligung muss vor der Ergebnisverbreitung beginnen |
| Private Unternehmen | Können nach den aktuellen Regeln keine formellen Partner sein | Zusammenarbeit mit Unternehmen muss anders organisiert werden |
| Ausgaben für Beteiligung | Rund 25 bis 30 Prozent empfohlen | Gesellschaftliche Einbindung muss finanziell ernsthaft berücksichtigt werden |
| Kofinanzierung | Kein allgemeiner festgelegter Prozentsatz | Ein Beitrag der aufnehmenden Institution wird dennoch erwartet |
| Berichterstattung | Jährliche Tätigkeits- und Finanzberichte | Weitere Zahlungen hängen von ordnungsgemäßer Verwaltung ab |
Die aufnehmende Institution soll außerdem durch Personal, Infrastruktur, Doktorandenstellen oder andere Ressourcen zum Erfolg der Chair beitragen. AXA verlangt keinen einheitlichen Kofinanzierungsanteil, doch das bedeutet nicht, dass die Stiftung die gesamte institutionelle Belastung übernehmen soll.
AXA bewertet Führungskompetenz ebenso wie wissenschaftliche Qualität
Der Prozess beginnt mit einer Interessenbekundung der aufnehmenden Institution.
Nur ausgewählte Vorschläge gelangen in die vollständige Antragsphase. Die ausführlichen Anträge werden von externen Fachgutachtern bewertet. Spätere Phasen können eine verpflichtende Stellungnahme zu Gutachterkommentaren und direkte Gespräche mit wissenschaftlichen Entscheidungsgremien von AXA umfassen.
Das ist wichtig, weil eine AXA Chair nicht nur wie ein klassischer Forschungsantrag bewertet wird.
Wissenschaftliche Originalität bleibt zentral. Zusätzlich wird geprüft, ob die Fachgebiete tatsächlich miteinander verbunden sind, ob außeruniversitäre Partner an der Wissensentstehung beteiligt werden, ob das Netzwerk über eine glaubwürdige Struktur verfügt und ob das Vorhaben Politik, Praxis oder Gesellschaft beeinflussen kann.
AXA verknüpft die Fortsetzung der Finanzierung außerdem mit der jährlichen Berichterstattung. Die aufnehmenden Einrichtungen müssen sowohl einen Tätigkeitsbericht als auch einen Finanzbericht einreichen. Eine Chair benötigt daher über die gesamten fünf Jahre ausreichende Verwaltungskapazitäten und nicht nur während der Antragstellung.
Die Stiftung beansprucht kein Eigentum an den Forschungsergebnissen. Forschende müssen jedoch die Unterstützung durch AXA kenntlich machen und die geltenden Anforderungen für frei zugängliche wissenschaftliche Veröffentlichungen beachten.
Eine AXA Chair über eine Million Euro in der Praxis
Ein aufschlussreiches Beispiel stammt von der Universität Genf.
Im Jahr 2026 kündigte die Universität eine AXA Chair zum Thema Katastrophenrisiken in Gebirgsregionen unter Leitung von Professor Markus Stoffel an. Die Chair erhält fünf Jahre lang jährlich 200.000 Euro und damit insgesamt eine Million Euro.
Die Forschung untersucht die wachsenden Risiken infolge der Klimaerwärmung in Gebirgsregionen, darunter Gletscherrückgang, Auftauen von Permafrost und veränderte Niederschlagsmuster. Im Rahmen des Programms sollen drei Doktoranden und zwei erfahrene Forschende unterstützt werden.
Nach Angaben der Universität wurde der Vorschlag in einem sehr wettbewerbsintensiven AXA-Verfahren aus mehr als 100 Bewerbungen ausgewählt.
Dieses Beispiel zeigt einen wichtigen Punkt bei maximalen Förderbeträgen. Die AXA-Obergrenze liegt bei 1,5 Millionen Euro, doch eine erfolgreiche Chair muss nicht den Höchstbetrag beantragen. Ein überzeugend aufgebautes fünfjähriges Programm kann weniger erhalten, wenn diese Summe zum tatsächlichen Forschungsplan passt.
Was geschieht mit den AXA Postdoctoral Fellowships?
Das letzte vollständig dokumentierte Modell der AXA Postdoctoral Fellowships bot bis zu 140.000 Euro über zwei Jahre.
Die Forschenden mussten sich innerhalb eines festgelegten Zeitraums nach ihrer Promotion befinden und durften keine unbefristete oder auf eine dauerhafte Professur ausgerichtete Stelle besitzen. Die Förderung war hauptsächlich als Vollzeitforschungsprogramm gedacht, wobei Lehrtätigkeit nur eingeschränkt zulässig war.
Auch hier spielte die Institution eine zentrale Rolle. Im zuletzt dokumentierten Zyklus durfte jede Einrichtung nur einen Kandidaten vorschlagen.
Dies ist eine erhebliche, aber wenig sichtbare Hürde. Ein Postdoktorand kann alle wissenschaftlichen Anforderungen erfüllen und dennoch nie in das AXA-Auswahlverfahren gelangen, wenn die eigene Universität intern einen anderen Kandidaten auswählt.
AXA gab 2026 sieben geförderte Forschende zum Thema „Rethinking the Social Contract: Demographic Change, Social Protection, and Solidarity“ bekannt. Ihre Projekte behandelten unter anderem Migration, Rentensysteme, Alterung, Plattformarbeit, Wohnungslosigkeit, Beschäftigung und gesellschaftliche Institutionen.
Die strategische Ausrichtung verändert sich jedoch. AXA bezeichnet inzwischen AXA Chairs und das kommende New-Gen-Programm als seine beiden wissenschaftlichen Leitprogramme.
Für Forschende, die ihre Strategie für 2027 und darüber hinaus planen, könnte New Gen daher wichtiger werden als ältere Seiten über Postdoktorandenförderungen. Solange die detaillierten Regeln nicht veröffentlicht sind, sollte niemand davon ausgehen, dass das frühere Modell mit 140.000 Euro, die bisherigen Regeln zum Karrierealter oder institutionelle Begrenzungen unverändert fortbestehen.
Allianz Foundation: stabile Finanzierung, aber weniger vorhersehbarer Zugang
Die Allianz Foundation stellt Antragsteller vor eine andere Herausforderung.
Die Stiftung selbst erscheint finanziell solide. Sie verfügt über ein Stiftungskapital von 100 Millionen Euro, und Allianz SE hat zugesagt, bis 2031 jährlich 5 Millionen Euro bereitzustellen. Das Projektportfolio ist seit Einführung der heutigen Stiftungsstruktur erheblich gewachsen.
Unsicher ist deshalb weniger, ob die Allianz Foundation weiterhin Projekte finanzieren wird, sondern vielmehr, wie Organisationen Zugang zu diesen Mitteln erhalten.
Die Stiftung hat ihre Strategie um drei Bereiche neu geordnet: Sustainable Cities, Trustworthy Information und Socially Engaged Arts.
Gleichzeitig bewegt sie sich stärker in Richtung einer aktiven Auswahl potenzieller Partner. Statt ausschließlich auf einen großen öffentlichen Jahresaufruf zu setzen, erklärt die Stiftung inzwischen, dass sie mögliche Partner überwiegend selbst identifiziert. Zusätzlich wurde ein Verfahren zur Interessenbekundung angekündigt, über das sich auch Organisationen außerhalb bestehender Netzwerke vorstellen können.
Für Antragsteller ist diese Veränderung erheblich.
Ein Projekt kann hervorragend zu den Zielen der Allianz Foundation passen und dennoch einen anderen Zugang benötigen, als einfach auf einen jährlichen Förderaufruf zu warten und einen vollständigen Antrag einzureichen.
Nachhaltige Städte: Klimaschutz mit sozialer Dimension
Der Schwerpunkt Sustainable Cities geht deutlich über ein gewöhnliches Umweltprogramm hinaus.
Die Allianz Foundation interessiert sich dafür, wie Städte den ökologischen Wandel gestalten können, ohne soziale Ungleichheiten zu verschärfen. Relevante Themen sind unter anderem bezahlbare und nachhaltige Bodennutzung, Sanierung statt Abriss, kreislauforientiertes Bauen, regenerative Materialien und neue Ansätze der Stadtentwicklung.
Die stärksten Projekte dürften deshalb ökologische Ergebnisse mit Veränderungen bei Verwaltung, Wohnen oder Bürgerbeteiligung verbinden.
Eine klassische Sensibilisierungskampagne zum Umweltschutz kann daher weniger überzeugend sein als ein Projekt, das zeigt, wie ein vorhandenes Gebäude saniert statt abgerissen werden kann, während gleichzeitig bezahlbarer Wohnraum erhalten und Emissionen gesenkt werden.
Im Mittelpunkt steht eine Veränderung, die beeinflussen kann, wie Städte funktionieren, nicht nur eine einzelne Umweltmaßnahme.
Vertrauenswürdige Information: mehr als Journalismusförderung
Der Schwerpunkt Trustworthy Information reagiert auf sinkendes Vertrauen, schwächer werdende Geschäftsmodelle unabhängiger Medien, Desinformation und die zunehmende Schwierigkeit, verlässliche Informationen von öffentlichem Interesse zu finanzieren.
Die Allianz Foundation versteht das Informationsökosystem breit. Journalismus spielt eine wichtige Rolle, aber auch zivilgesellschaftliche Organisationen, wissenschaftliche Akteure und Kooperationen zwischen verschiedenen Bereichen gehören dazu.
Projekte können neue Formen der Berichterstattung von öffentlichem Interesse entwickeln, unabhängige Medien stärken, nachhaltige Finanzierungsmodelle aufbauen, Kooperationen zwischen Journalisten und Forschenden schaffen oder verbessern, wie verlässliche Informationen lokale Gemeinschaften erreichen.
Damit entstehen Möglichkeiten über klassische Redaktionen hinaus. Projekte müssen jedoch weiterhin überzeugend zeigen, wie sie vertrauenswürdige Information stärken und nicht lediglich Kommunikationsinhalte produzieren.
Gesellschaftlich engagierte Kunst: Künstlerische Qualität allein reicht nicht
Der dritte Schwerpunkt richtet sich auf künstlerische Arbeit, die unmittelbar mit gesellschaftlichen oder ökologischen Fragen verbunden ist.
Dazu können partizipative Kunst, gemeinschaftsbezogene Projekte, gemeinsames kreatives Arbeiten, kulturelle Antworten auf politische und ökologische Veränderungen sowie Vorhaben gehören, die die Widerstandsfähigkeit kultureller Organisationen stärken.
Die Unterscheidung zwischen klassischer Kulturförderung und gesellschaftlich engagierter Kunst ist wichtig.
Eine künstlerisch hervorragende Ausstellung kann trotzdem schlecht passen, wenn das Publikum ausschließlich passiv bleibt und kaum breitere gesellschaftliche Wirkung entsteht. Ein kleineres Projekt, bei dem Künstler gemeinsam mit lokalen Gemeinschaften Institutionen verändern, neue öffentliche Debatten anstoßen oder Ausgrenzung abbauen, kann der Strategie deutlich besser entsprechen.
Die Unterstützung für Projekte in der Ukraine zeigt diese Logik besonders deutlich.
Was der Allianz-Förderaufruf 2025 weiterhin über die Stiftung verrät
Das breite Allianz Foundation Grants Program aus dem Jahr 2025 sollte nicht mehr als automatisch gültige Vorlage für künftige Förderungen betrachtet werden. Seine Regeln zeigen jedoch sehr deutlich, welche Förderphilosophie die Stiftung verfolgt.
Das Programm bot zwischen 80.000 und 200.000 Euro pro Projekt bei einer maximalen Laufzeit von 24 Monaten. Die Allianz Foundation durfte höchstens 75 Prozent der gesamten Projektkosten übernehmen.
Antragsteller mussten also mindestens 25 Prozent der Finanzierung aus anderen Quellen sichern.
Entscheidend war der Zeitpunkt. Diese Drittmittel mussten vor Projektbeginn bestätigt sein. Eine Organisation konnte nicht einfach mit der Allianz-Förderung starten und darauf hoffen, die fehlenden Mittel später einzuwerben.
Sachleistungen wurden nicht als Kofinanzierung anerkannt.
Gleichzeitig erlaubte das Programm Verwaltungskosten von bis zu 20 Prozent. Damit bot es mehr betriebliche Flexibilität als viele Programme, die fast ausschließlich unmittelbar projektbezogene Ausgaben zulassen.
Tabelle 5. Was der Allianz-Förderaufruf 2025 über die Förderlogik der Stiftung zeigt
| Regel im Aufruf 2025 | Veröffentlichte Bedingung | Praktische Schlussfolgerung |
|---|---|---|
| Förderhöhe | 80.000 bis 200.000 Euro | Nützlicher historischer Vergleich, aber keine garantierte künftige Spanne |
| Projektdauer | Bis zu 24 Monate | Die Stiftung unterstützte substanzielle mehrjährige Vorhaben |
| Allianz-Anteil | Höchstens 75 Prozent der Projektkosten | Externe Finanzierung war erforderlich |
| Kofinanzierung | Mindestens 25 Prozent | Antragsteller konnten nicht vollständig von Allianz abhängig sein |
| Zeitpunkt der Drittmittel | Vor Projektbeginn bestätigt | Finanzierungslücken konnten die Umsetzung verhindern |
| Sachleistungen | Nicht als Kofinanzierung anerkannt | Ehrenamtliche Arbeit konnte den finanziellen Eigenanteil nicht ersetzen |
| Verwaltungskosten | Bis zu 20 Prozent | Vergleichsweise hohe Flexibilität für Organisationskosten |
| Antragsverfahren | Projektskizze, anschließend vollständiger Antrag für Vorausgewählte | Ein ausführlicher Antrag war erst nach Vorauswahl erforderlich |
Das Programm 2025 legte großen Wert auf systemische Ansätze, messbare Wirkung, langfristige Ergebnisse über den Förderzeitraum hinaus und eine starke lokale Verankerung in Verbindung mit breiterer Bedeutung.
Außerdem wurden partizipative Projektentwicklung sowie Organisationen unter Führung von Frauen, jungen Menschen oder marginalisierten Gruppen besonders berücksichtigt.
Nachhaltigkeit wurde nicht nur anhand des Projektthemas bewertet, sondern auch anhand der Durchführung. Antragsteller sollten über Reisen, Wiederverwendung von Materialien, öffentliche Verkehrsmittel, Veranstaltungsorganisation und weitere betriebliche Entscheidungen nachdenken.
Diese Erkenntnisse bleiben für künftige Antragsteller nützlich, selbst wenn sich die genauen finanziellen Regeln ändern.
Nicht jede mit Allianz verbundene Förderung ist eine direkte Förderung der Allianz Foundation
Antragsteller sollten außerdem direkte Förderungen der Stiftung von spezialisierten Finanzierungsinstrumenten unterscheiden, an denen die Allianz Foundation beteiligt ist oder deren Aufbau sie unterstützt hat.
Ein Beispiel ist der Media Forward Fund.
Dieser Fonds wurde gemeinsam mit mehreren philanthropischen Partnern gegründet, um Journalismus von öffentlichem Interesse und tragfähige Geschäftsmodelle für Medien in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu stärken.
Seine Förderbeträge können deutlich über den Summen des früheren allgemeinen Allianz-Förderaufrufs liegen. Zu den ersten Geförderten gehörten Reflekt mit 300.000 Euro, Dossier mit 390.000 Euro, andererseits mit 400.000 Euro und Tsüri mit 400.000 Euro.
Dabei handelte es sich nicht um klassische direkte Förderungen der Allianz Foundation im Rahmen ihres allgemeinen Förderprogramms. Die Mittel stammten aus einem spezialisierten Gemeinschaftsfonds mit eigenen Zielen und Verfahren.
Die Alliance for Socially Engaged Arts ist ein weiteres Beispiel. Die Allianz Foundation gehört zu den Gründern dieser Initiative, doch das Programm ist eine europäische Gemeinschaftsstruktur mehrerer Stiftungen.
In der ersten Runde erhielten die Organisationen von 15 ausgewählten Teilnehmenden jeweils 60.000 Euro als institutionelle Förderung. Hinzu kam ein 18-monatiges Programm zur Organisationsentwicklung und internationalen Zusammenarbeit.
Tabelle 6. Allianz Foundation und verbundene Fördermechanismen
| Mechanismus | Art der Unterstützung | Beispielbetrag | Hauptzielgruppe |
|---|---|---|---|
| Direkte Partnerschaften der Allianz Foundation | Direkte Förderung oder strategische Partnerschaft | Derzeit keine einheitliche allgemeine Spanne | Zivilgesellschaft, Kultur und Organisationen mit gesellschaftlicher Wirkung |
| Allianz Foundation Grants Program 2025 | Offene wettbewerbliche Förderung | 80.000 bis 200.000 Euro | Förderfähige Organisationen in Europa und im Mittelmeerraum |
| Media Forward Fund | Spezialisierter Gemeinschaftsfonds | In frühen Runden bis etwa 400.000 Euro | Medien von öffentlichem Interesse |
| Alliance for Socially Engaged Arts | Gemeinschaftliches Programm und Organisationsförderung | 60.000 Euro institutionelle Förderung für die Organisationen der ersten Teilnehmenden | Organisationen im Bereich gesellschaftlich engagierter Kunst |
Diese Unterschiede sind wichtig, weil eine Organisation sehr gut zur Mission der Allianz Foundation passen kann, ohne sich unbedingt direkt bei der Stiftung zu bewerben.
In manchen Bereichen kann die beste Fördermöglichkeit über ein spezialisiertes Instrument entstehen, das Allianz mit aufgebaut hat.
Ein ukrainisches Beispiel: Theater als demokratische Infrastruktur
Die Ukraine ist direkt im Portfolio der Allianz Foundation vertreten.
Eines der im Programm 2025 unterstützten Projekte war „Democratic Future for Ukrainian Theatre, Act by Act“ des Nafta Theatre in Charkiw.
Das Projekt ermöglicht jungen Künstlern, mit professioneller Begleitung neue Aufführungen zu entwickeln. Seine Ziele gehen jedoch weit über die Produktion von Theater hinaus. Es befasst sich mit starren Hierarchien, Geschlechterungleichheit, Passivität und institutioneller Widerstandsfähigkeit während des Krieges.
Dieses Beispiel zeigt sehr gut, was die Allianz Foundation unter gesellschaftlich engagierter Kunst versteht.
Die geförderte Tätigkeit besteht nicht einfach darin, eine Aufführung zu produzieren. Kunst wird zu einer Methode, Beziehungen zu verändern, Beteiligung zu ermöglichen, junge Fachkräfte zu stärken und institutionelle Praktiken zu hinterfragen.
Die Allianz Foundation hat außerdem Initiativen unterstützt, die Menschenrechtsverletzungen und internationale Verbrechen im Zusammenhang mit der Ukraine und Syrien dokumentieren und untersuchen.
Für ukrainische Organisationen sind diese Beispiele besonders hilfreich, weil sie zeigen, dass die europäische Ausrichtung der Stiftung die Ukraine nicht ausschließt. Noch wichtiger ist jedoch, dass sie erkennen lassen, welche Art von Projektgestaltung wettbewerbsfähig ist. Die stärksten Vorhaben sind selten einmalige Kulturveranstaltungen. Sie verbinden künstlerische, zivilgesellschaftliche oder informationsbezogene Arbeit mit weitergehenden strukturellen Veränderungen.

Verborgene Regeln, die wichtiger sein können als der maximale Förderbetrag
Bei allen drei Fördergebern finden sich die wichtigsten Informationen häufig nicht bei der öffentlich beworbenen Höchstsumme.
Tabelle 7. Weniger offensichtliche Regeln, die einen ansonsten starken Antrag schwächen oder ausschließen können
| Fördergeber | Weniger offensichtliche Regel | Warum sie wichtig ist |
|---|---|---|
| L’Oréal | Die Organisation sollte jährlich mindestens 200 Personen direkt unterstützen | Kleine spezialisierte NGOs können unterhalb der erwarteten Größe liegen |
| L’Oréal | Der zuletzt veröffentlichte Mindestantrag beträgt 50.000 Euro | Kleinstprojekte können zu klein sein |
| L’Oréal | L’Oréal kann höchstens 30 Prozent des betreffenden Budgets finanzieren | 250.000 Euro erfordern ein Budget von rund 833.333 Euro |
| L’Oréal | Institutionelle Förderung ist Organisationen vorbehalten, die unmittelbar und ausschließlich mit gefährdeten Frauen und Mädchen arbeiten | Breiter aufgestellte humanitäre NGOs können auf Projektförderung beschränkt sein |
| L’Oréal | Politische Interessenvertretung, Sachlieferungen, Bau und Renovierung sind nach den letzten Kriterien ausgeschlossen | Viele grundsätzlich passende Projekte müssen möglicherweise umfassend angepasst werden |
| AXA | Forschende können eine AXA Chair nicht selbstständig beantragen | Unterstützung der Universität ist zwingend |
| AXA | Eine Chair-Nominierung pro Einrichtung und Kampagne | Der Wettbewerb beginnt bereits innerhalb der Universität |
| AXA | Mobilität kann bei ansonsten gleichwertigen Vorschlägen bevorzugt werden | Die Anwerbung eines externen Forschers kann strategisch stärker sein |
| AXA | Echte gemeinsame Entwicklung mit einem außeruniversitären Partner ist erforderlich | Ein nur symbolisch beteiligter Partner reicht nicht aus |
| AXA | Private Unternehmen dürfen im aktuellen Chair-Modell keine formellen Partner sein | Zusammenarbeit mit der Wirtschaft muss anders aufgebaut werden |
| AXA | Rund 25 bis 30 Prozent Ausgaben für Beteiligung werden empfohlen | Ein zu stark rein akademisches Budget kann schlecht zur Förderlogik passen |
| Allianz | Die aktuelle Strategie beruht stark auf aktiver Identifikation von Partnern | Selbst ein hervorragendes Projekt kann nicht sofort über einen öffentlichen Antrag zugänglich sein |
| Allianz 2025 | Kofinanzierung musste vor Projektbeginn bestätigt sein | Die Finanzierungslücke konnte nicht erst später geschlossen werden |
| Allianz 2025 | Sachleistungen wurden nicht als Kofinanzierung anerkannt | Ehrenamtliche Arbeit ersetzte den nötigen finanziellen Anteil nicht |
| Allianz 2025 | Bis zu 20 Prozent Verwaltungskosten waren erlaubt | Das Programm bot vergleichsweise hohe Flexibilität bei Organisationskosten |
Diese Regeln zeigen, warum die Suche ausschließlich nach dem „maximalen Förderbetrag“ häufig eine schlechte Methode zur Bewertung einer Fördermöglichkeit ist.
Die entscheidende Frage ist, ob der Antragsteller zur finanziellen und institutionellen Förderstruktur passt.
Welcher Fördergeber passt zu welchem Antragsteller?
Für eine etablierte NGO, die unmittelbar mit besonders gefährdeten Frauen und Mädchen arbeitet, ist L’Oréal die klarste Möglichkeit.
Die Organisation sollte bereits eine gewisse Größe erreicht haben, über mehrere Finanzierungsquellen verfügen und direkte Unterstützung leisten, anstatt hauptsächlich politische Interessenvertretung zu betreiben. Wirtschaftliche Selbstständigkeit, Bildung, Bekämpfung von Gewalt sowie sexuelle und reproduktive Gesundheit sind derzeit die wichtigsten strategischen Themen.
Für eine Universität oder öffentliche Forschungseinrichtung bietet AXA wesentlich größere einzelne Förderbeträge.
Eine AXA Chair kann bis zu 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre umfassen. Erfolg verlangt jedoch mehr als einen angesehenen Professor und eine starke Publikationsliste. Die aufnehmende Institution muss sich zur Chair bekennen, mehrere wissenschaftliche Disziplinen tatsächlich verbinden, außeruniversitäre Partner frühzeitig einbeziehen und zeigen, wie Wissen über den akademischen Bereich hinaus genutzt wird.
Die Allianz Foundation kann für NGOs, zivilgesellschaftliche Initiativen, unabhängige Medien und kulturelle Organisationen besonders interessant sein, verlangt jedoch einen anderen Zugang.
Die stärksten Konzepte dürften einen strukturellen Wandel in den Bereichen Sustainable Cities, Trustworthy Information oder Socially Engaged Arts zeigen. Eine gewöhnliche Workshop-Reihe, eine einmalige Veranstaltung oder ein Ausstattungsantrag entspricht der aktuellen Richtung der Stiftung weniger als ein Vorhaben, das dauerhaft verändert, wie ein lokales System funktioniert.
Auch der Zugang zur Finanzierung kann weniger direkt sein. Organisationen sollten sowohl das angekündigte Verfahren zur Interessenbekundung als auch spezialisierte Förderinstrumente verfolgen, statt ausschließlich auf einen großen jährlichen Aufruf zu warten.
Lohnt es sich, diese Programme auch 2027 und 2028 weiterzuverfolgen?
Ja, allerdings aus unterschiedlichen Gründen.
L’Oréal hat den klarsten Zeithorizont. Das Unternehmen hat weitere 50 Millionen Euro für den Fund for Women im Zeitraum 2026-2030 zugesagt. Dass 2026 kein Förderaufruf stattfindet, bedeutet daher nicht das Ende des Programms. Antragsteller müssen lediglich auf die Veröffentlichung des Zeitplans für 2027 warten.
Auch AXA verfügt über eine starke langfristige Glaubwürdigkeit. Der AXA Research Fund besteht seit 2008, hat mehr als 800 Projekte finanziert und entwickelt weiterhin neue Fördermechanismen. AXA Chairs bleiben ein bedeutendes Programm, während New Gen zu einem wichtigen Förderweg für jüngere Forschende werden dürfte.
Vorsicht ist vor allem bei älteren Informationen zu Postdoktorandenförderungen geboten. Forschende sollten ihre Strategie für 2027 nicht auf der Annahme aufbauen, dass die frühere Förderung von 140.000 Euro unverändert zurückkehrt.
Auch die Allianz Foundation ist institutionell stabil. Das Stiftungskapital von 100 Millionen Euro und die jährliche Unterstützung durch Allianz SE bis 2031 bilden eine solide finanzielle Grundlage.
Was sich verändert, ist die Förderarchitektur. Der Übergang zu aktiv ausgewählten Partnerschaften, Interessenbekundungen und spezialisierten Gemeinschaftsfonds macht die Allianz Foundation schwieriger über einfache jährliche Fristenlisten zu verfolgen, aber nicht weniger relevant.
Für eine langfristige Förderstrategie ist dieser Unterschied entscheidend.
Ein Förderprogramm, das vollständig verschwindet, sollte aus der Förderplanung einer Organisation gestrichen werden. Eine stabile Stiftung, die lediglich ihr Antragsmodell verändert, sollte dagegen weiter beobachtet werden. Der Antragsteller muss nur seine Vorgehensweise anpassen.
Abschließende Bewertung
L’Oréal, AXA und Allianz zeigen besonders deutlich, warum Unternehmensphilanthropie nicht unter einer einzigen Kategorie „Fördermittel“ zusammengefasst werden sollte.
Der L’Oréal Fund for Women ähnelt am stärksten einem klassischen internationalen Förderprogramm für NGOs. Er ermöglicht mehrjährige Unterstützung, verfügt über eine erhebliche Finanzierungszusage bis 2030 und unterstützt Organisationen, die unmittelbar mit gefährdeten Frauen und Mädchen arbeiten. Die eigentlichen Hürden liegen in den Einzelheiten: Mindestgröße der Organisation, Einstiegsschwelle von 50.000 Euro, 30-Prozent-Grenze und Ausschlüsse, durch die manche grundsätzlich passende humanitäre oder rechtebezogene Projekte nicht förderfähig werden.
AXA bietet deutlich größere Forschungsförderungen, arbeitet aber über Universitäten und öffentliche Forschungseinrichtungen. Der Wissenschaftler steht im Zentrum des Projekts, doch die Institution kontrolliert den Zugang zum Wettbewerb. Interne Nominierung, Mobilität, fachübergreifende Integration, gemeinsame Entwicklung mit außeruniversitären Akteuren und ein angemessener Anteil des Budgets für gesellschaftliche Beteiligung können ebenso wichtig sein wie die wissenschaftliche Idee selbst.
Die Allianz Foundation hat von den drei Fördergebern derzeit den am wenigsten vorhersehbaren öffentlichen Antragsweg. Das darf jedoch nicht mit finanzieller Schwäche verwechselt werden. Stiftungskapital, langfristige Unterstützung durch Allianz SE und das wachsende Portfolio sprechen für eine dauerhafte philanthropische Institution. Die Fördermöglichkeiten verschieben sich lediglich von einem allgemeinen jährlichen Aufruf hin zu strategischen Partnerschaften, Interessenbekundungen und spezialisierten Instrumenten für Städte, Information und gesellschaftlich engagierte Kunst.
Für Antragsteller lautet die wichtigste Lehre daher: Nicht beim Höchstbetrag beginnen.
Eine Förderung von 250.000 Euro ist keine echte 250.000-Euro-Möglichkeit, wenn sie nur 30 Prozent des Budgets abdecken darf. Ein Forschungsprogramm über 1,5 Millionen Euro ist keine persönliche Förderung, wenn der Wissenschaftler es ohne Nominierung seiner Universität nicht beantragen kann. Eine finanziell starke Stiftung ist kein offener Wettbewerb, wenn sie den Großteil ihrer Partner derzeit selbst auswählt.
Die größten Erfolgschancen haben Organisationen und Forschende, die diese Regeln verstehen, bevor sie mit dem Schreiben ihres Antrags beginnen.
